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Ganzheitlichkeit

"Dem Mass unserer Liebe entspricht das Mass unseres Glücks."

John Wesley (1703 - 1791)

Leitartikel

Typisch methodistisch

Zurzeit läuft in der EMK eine Kampagne «proud to be a methodist» (ich bin stolz, Methodist/in zu sein). Gibt es Grund, stolz zu sein? Was gefällt uns an der EMK? Was ist typisch methodistisch?


Vielleicht sagen wir «typisch methodistisch…» eher, wenn wir genervt sind. Darüber, dass unsere Kirche zuweilen ziemlich schwerfällig ist, darüber, dass sie es allen recht machen will und vor lauter Rücksicht auf alle an Profil und Dynamik verliert, darüber, dass sie nicht so hip ist wie andere Kirchen und manchmal etwas altbacken daherkommt. 


Ich verstehe das. Ich bin manchmal auch genervt. Manche Veränderungsprozesse gehen mir zu langsam. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir über die falschen Fragen diskutieren. Manchmal leide ich an der Menge der Sitzungen und an der Mutlosigkeit mancher Gremien. 


Und trotzdem bin ich gerne Methodist. Zum Beispiel weil sich Methodisten nicht dadurch profilieren wollen, dass sie anders (besser, richtiger, cooler) sind als andere. Vielmehr wissen sie sich verbunden mit allen, die auch mit Jesus Christus verbunden sind. Die Weite im Denken und Glauben gefällt mir, und dass einseitige und extreme Haltungen so nicht recht Fuss fassen, finde ich super.


Oder ich bin gerne Methodist, weil Gottes universale Gnade zu den grundlegenden Glaubensinhalten gehört. Dass Gott jeden Menschen liebt, halte ich für den aufregendsten, herausforderndsten und hoffnungsvollsten Gedanken, den ich kenne. 


Dass diese Gnade sich im konkreten Alltag auswirkt - oder traditionell gesprochen: dass der Glaube in der Liebe tätig ist – und sich z.B. in Gastfreundschaft, Grosszügigkeit oder sozialem Engagement zeigt, ist ein anderer typisch methodistischer Akzent. 


Und typisch methodistisch ist die Begeisterung und Leidenschaft, ob sie sich nun im erhebenden Singen zeigt oder im Optimismus, dass sich durch Gottes Liebe ganz vieles in unseren persönlichen Leben und in der Gesellschaft zum Guten wenden kann. 


Gewiss: Zwischen dem, was idealerweise und dem was in der Realität «typisch methodistisch» ist, klafft manchmal eine Lücke. Wir sind keine perfekte Kirche, aber vielleicht gerade darum eine Kirche, in der es Platz für Menschen wie mich hat.


In herzlicher Verbundenheit

 

Urs Rickenbacher

Urs Rickenbacher, Pfarrer

United Methodist Church