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Lebensziel

"Immer trage ich diese Frage in meinem Herzen: Was soll ich tun, um aus meinem kurzen Leben das Beste zu machen?"

John Wesley (1703 - 1791)

Leitartikel

Erinnerungen

Was für wunderschöne Erinnerungen habe ich an frühere Zeiten! Beim Stichwort Erinnerungen steigen Bilder voller Glück in mir hoch - von Indianerspielen im Wald, von Jassnächten, bei denen wir uns fast totgelacht haben, vom Zauber des Kennenlernens meiner Frau, von der Geburt der Kinder, von tiefen Freundschaften in der Gemeinde, von gelungenen Projekten und so weiter. Aus jeder Lebensphase kommen mir solche schönen Erinnerungen in den Sinn.

Erst wenn meine Gedanken etwas länger an einem Ort verweilen, kommen mir auch andere Erinnerungen in den Sinn: an beklemmende Stunden in der Familie, an die Enttäuschung, als ich den Sport an den Nagel hängen musste, an die Verzweiflung, als meine erste grosse Liebe unerwidert blieb, an Konflikte, bei denen sich nichts mehr bewegte und Ohnmacht und Wut sich breit machte etc.

Interessant, dass die schönen Erinnerungen zuerst kommen und dominieren. Und interessant, dass sich bei der Wahrnehmung der Gegenwart eher das Umgekehrte abspielt: Da bestimmt oft eher das, was schwierig ist, mein Lebensgefühl. Das Gute beachte ich oft nicht so.

Offenbar habe ich eine Neigung zu einer weit verbreiteten Empfindung: Die alten Zeiten waren vorwiegend gut, in der jetzigen Zeit gibt es vor allem Probleme.

 

Auf der einen Seite halte ich es für einen Segen, dass die glücklichen Erinnerungen  so stark sind und manch trauriges Erlebnis verblasst. Auf der anderen Seite will ich aber nicht der Versuchung verfallen, die alten Zeiten zu glorifizieren und im Jetzt nur das Schlimme zu sehen. Leute, die dies tun, spielen nach meiner Erfahrung keine konstruktive Rolle, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht.

Ich glaube vielmehr, dass jede Zeit Gottes Zeit ist. Auch im Jetzt schenkt er uns in seiner Güte viel Gutes. Darum will ich die Erinnerung an früher nicht nehmen als Folie, vor der die Gegenwart nur dunkel erscheint. Sondern ich will die schönen Erinnerungen nehmen als Erfahrung, dass Gott jederzeit viel Beglückendes und Gutes geschenkt hat – manchmal mitten im Schweren drin. Darum vertraue ich auch darauf, dass die gegenwärtige Zeit Gottes Zeit ist und sein Reich mitten unter uns ist. Und in diesem Vertrauen will ich so leben und den Menschen so begegnen, dass wir Erlebnisse machen können, die einmal als wunderschöne Erinnerungen in uns lebendig sein werden.

Urs Rickenbacher, Pfarrer

United Methodist Church