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Freude

"Freut euch an allem, was der Ehre Gottes dient und Frieden und Freundlichkeit unter den Menschen fördert."

John Wesley (1703 - 1791)

Leitartikel

Rassismus

 

Rassismus – klar, sind wir dagegen. Oder?
 
Bei  der  Frage  des  Rassismus  ist allerdings  vieles  unklar.  Es  gibt keine  allgemein  gültige  Definition von  Rassismus.  In  der  Wissenschaft  gilt  bereits  der  Begriff  der Rasse  als  sehr  fragwürdig;  es lässt  sich  gar  nicht  so  eindeutig beschreiben,  was  eine  Rasse  ist. Es  sind  oft  willkürliche  Konstruktionen,  wer  zu  welcher  Rasse  gehört  (entstammen  NorwegerInnen der  gleichen  Rasse  wie  ItalienerInnen? Sind polnische Juden eine andere Rasse als polnische Katholiken?  etc.)  Trotzdem  brauchen wir  den  Begriff  im  Alltag  –  wenn sich  vielleicht  auch  alle  ein  bisschen etwas anderes darunter vorstellen.
 
Von  Rassismus  reden  wir  dann, wenn  jemand  allen,  die  wir  zu  einer  bestimmten  Rasse/Ethnie/Religion/sozialen  Gruppe  zählen, bestimmte  Eigenschaften  zuschreibt  und  diese  Menschen  aufgrund  dieser  Eigenschaften  als minderwertig einstuft. 
 
Laut  der  Eidgenössischen  Kommission  gegen  Rassismus  sind vier  Elemente  für  rassistische Ideologien charakteristisch:

•  tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zwischen dem Rassisten und seinem Opfer
•  Wertung dieser Unterschiede zum Nutzen des Rassisten und zum Schaden des Opfers
•  Verallgemeinerung und Verabsolutierung dieser Unterschiede

•  Legitimierung einer Aggression oder eines Privilegs


Leider  gab  es  immer  wieder  Leute, die sich auf die Bibel beriefen, um  andere  Menschengruppen  als minderwertig  zu  betrachten  und zu  diskriminieren  (burische  Kirche,  Deutsche  Christen  im  NaziDeutschland,  Ku  Klux-Clan  etc.). MethodistInnen  hingegen  halten Rassismus mit der biblischen Botschaft  für  unvereinbar.  Der  Glaube an den Gott, der alle Menschen liebt, lässt keinen Rassismus zu.  In der Verfassung wird dem Punkt sogar  ein  eigener  Artikel  gewidmet  (Art.  5):  «Die  Evangelisch-methodistische  Kirche  bezeugt den  Wert  eines  jeden  Menschen als  eines  einzigartigen  Kindes Gottes und verpflichtet sich selbst zum  Dienst  an  der  Heilung  und dem  Heil  aller  Menschen.  […]  Die Evangelisch-methodistische  Kirche  widersetzt  sich  dem  Rassismus  in  allen  Bereichen  ihres  Lebens  und  in  der  ganzen  Gesellschaft  und  sucht  ihn  zu  beseitigen,  gleich  ob  er  in  institutioneller  oder  persönlicher  Gestalt  auftritt.»
 
An  dieser  Formulierung  beeindruckt mich, dass es nicht einfach heisst:  Wir  versuchen,  nicht  rassistisch  zu  sein.  Es  heisst  vielmehr,  dass  wir  uns  aktiv  an  der Überwindung  von  Rassismus  auf allen  Ebenen  beteiligen  –  ob  er sich  in  Form  von  Vorurteilen  in unseren  Köpfen  eingeschlichen hat oder sich in politischen Bewegungen zeigt.

 

Ob  sich  an  den  Fokusabenden zum  Zusammenleben  mit  Menschen  aus  anderen  Religionen  im November  Gelegenheit  dazu  bietet?
 
In herzlicher Verbundenheit

 

Urs Rickenbacher

Urs Rickenbacher, Pfarrer

United Methodist Church